Die Biene ist ein richtiger Workahlic

 

Eine Biene fliegt je Tag bis zu 15-mal aus und besucht dabei zwischen 3000 und 5000 Blüten. Ihr Flugradius beträgt dabei bis zu 5 km.

Bienen sind unter den Insekten die wichtigsten Blütenbestäuber.

Die meisten Kultur- und Nutzpflanzen werden durch Bienen bestäubt aber auch viele Wildpflanzen gehören zu den Zielen der Bienen. Daher tragen Bienen wesentlich zu erhalt der Pflanzenvielfalt bei.

 

 

Gröben -

Sven Hellriegel liebt es süß und gesund. Wobei die Betonung auf gesund liegt. Besonders gern genießt der 41 Jahre alte Konstruktionsmechaniker und Techniker Honig. Allerdings nicht den aus dem Supermarktregal, der in Massen aus Mexiko, Argentinien oder China kommt und von dem man gar nicht so recht weiß, was alles drin steckt.

Der Familienvater aus Gröben setzt auf eigene Produktion, also echt Bio. Er ist seit drei Jahren Imker und das mit Leib und Seele. Noch vor vier Jahren hat Sven Hellriegel den Honig bei einem Imker aus Teuchern gekauft. Dann kam er auf den Gedanken, dass er die süße und sehr gesunde Köstlichkeit selbst herstellen könnte. Karl-Heinz Rudolf aus Stößen, der am Hohenmölsener Agricolagymnasium die Arbeitsgemeinschaft Bergbaubienen leitet und Vorsitzender des Imkervereins Teuchern 1873 ist, nahm den Gröbener einfach mal mit nach Hause. Dort hat sich Sven Hellriegel die Bienenvölker angeschaut und sich das Imkern erklären lassen.

Er besuchte die Vereinsversammlung der Teucherner Imker und hat sich Literatur über die Bienenzucht angeschafft. Dann ist er in den Teucherner Imker-Verein eingetreten und hat 2013 einen Neuimkerlehrgang im Bienenlehrgarten in Nebra besucht. Mit dem Sachkundenachweis in der Tasche konnte Sven Hellriegel mit Hilfe seines Imkerpaten Karl-Heinz Rudolf loslegen. Sein erstes Bienenvolk hat der Gröbener bei einem sehr erfahrenen Berufsimker in Eisleben geholt. Aus diesem Volk seien in den darauffolgenden Jahren fünf weitere Völker mit je 20 000 bis 60.000 Bienen entstanden, erzählt der Imker.

Die fleißigen Insekten, die ihr Zuhause im Garten von Familie Hellriegel haben, fliegen vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätsommer hinein, sammeln den Nektar von Blütenpflanzen ein und bringen ihn zu ihrem maximal anderthalb Kilometer entfernten Bienenstock. Leider sei eine erfolgreiche Tracht, so nennt man diesen Vorgang, für die Biene immer schwieriger, erklärt Sven Hellriegel.

Auch, weil an den heimischen Feldern die sogenannten Blühstreifen fehlen. Im Frühjahr würden seine Bienen den Nektar der Birnen-, Apfel- und Kirschblüten einsammeln. Zwischen April und Mai gebe es dank der blühenden Rapsfelder eine Massentracht. Die Akazien in der ehemaligen Gröbener Sandgrube brächten auch Nektar. Und zwei bis drei Völker habe er am Gröbener Burghügel stehen, weil dort zwischen Mai und Juni die Robinien blühen.

Jäger Ingo Jahn habe gerade am Burghügel vieles angepflanzt und regelrechte Bienenwiesen angelegt, lobt Sven Hellriegel. Die Sommer- und Winterlinden zwischen Teuchern und Gröben liefern dann von Juni bis Ende Juli den zur Honigproduktion unverzichtbaren Nektar. Und dann gibt es ja noch die unzähligen Sommerblüten im Garten der Hellriegels. Erst wenn sie verblüht sind, geht das Bienen-Jahr langsam zur Neige und Jan Hellriegel kann den Honig aus dem Rippachtal herstellen.

Nachdem er seine Bienen kurzzeitig verscheucht hat, kann der Imker die von den Insekten verschlossenen Waben aus dem Stock herausnehmen und vorsichtig mit speziellem Werkzeug öffnen. Das nennt sich Entdeckeln. Nun wird der Honig mit Hilfe einer Zentrifuge aus den Waben herausgeschleudert, anschließend durch ein Sieb gefiltert und in Honiggläser abgefüllt. Bei dieser Arbeit hat Sven Hellriegel Hilfe von seinem Vater Uwe Hellriegel und dem siebenjährige Sohn Lukas.

Trotz der Arbeit, zum Beispiel bei der Winterbehandlung der Völker gegen die Varoa-Milbe oder beim Reinigen, dem Bau und der Reparatur der Beuten, das ist die Behausung der Bienen, liebe er die Imkerei, versichert Sven Hellriegel. „Es macht einfach Spaß. Manchmal sitze ich stundenlang vorm Flugloch. Dann verfolge ich, wie die Bienen den Nektar bringen und wieder ausfliegen“, sagt der 41-Jährige, der mittlerweile stellvertretender Vorsitzender des Imkervereins Teuchern ist.

Schönster Lohn für Sven Hellriegels Arbeit ist sein Honig aus dem Rippachtal, benannt nach dem Bach, der durch seinen Heimatort fließt. Allein im vergangenen Jahr haben seine summenden Schützlinge 550 Kilo Honig zusammengetragen. Und die Sorten schmecken nicht nur unterschiedlich, sie sehen auch verschieden aus.

Da gibt es den milden und feincremigen Frühlingsblütenhonig, den eher festen Rapshonig, den Akazien oder auch Robinienhonig, der süß, klar und sehr lange flüssig ist, den grünlichen und leicht minzigen Lindenblütenhonig und den Sommerblütenhonig der aus sehr vielen verschiedenen Trachtpflanzen besteht und in Farbe und Geschmack variiert.

Und wenn der Imker mal genau wissen will, von welchen Blüten der Honig stammt, schickt er einfach Proben zum Bieneninstitut nach Berlin.

– Quelle: http://www.mz-web.de/24718384 ©2016